Der Nachgeschmack eines Weines nach dem Schlucken.
Als Abgang bezeichnet man den Geschmackseindruck, der nach dem Schlucken des Weines im Mund und Rachen verbleibt. Ein langer, harmonischer Abgang gilt als Zeichen hoher Qualität. Fachleute unterscheiden kurze (unter 10 Sekunden), mittlere und lange Abgänge (über 30 Sekunden). Bei großen Weinen spricht man von einem "endlosen Abgang".
verkostungqualität
Acidität
Der Säuregehalt eines Weines – entscheidend für Frische und Haltbarkeit.
Acidität beschreibt den Gesamtsäuregehalt eines Weines, ausgedrückt in g/l Weinsäure. Säure verleiht dem Wein Frische, Struktur und Lagerfähigkeit. Zu wenig Säure wirkt flach, zu viel wirkt scharf. In kühlen Regionen wie Rheingau und Mosel ist die natürliche Säure ein Markenzeichen des Rieslings.
chemiestruktur
Alkohol
Ethanol entsteht bei der Vergärung von Zucker und prägt Körper und Wärme des Weines.
Alkohol (Ethanol) entsteht, wenn Hefen den Traubenzucker vergären. Er beeinflusst Körper, Wärme und Haltbarkeit des Weines. Der Alkoholgehalt wird in Volumenprozent (%vol) angegeben. Leichte Weine haben 11–12 %vol, kräftige Rotweine aus warmen Lagen oft 14–15 %vol. Zu viel Alkohol wirkt "heiß" und unbalanciert.
chemiestruktur
Alterswein
Ein Wein mit ausreichend Reife für positive Entwicklung durch längere Lagerung.
Als Alterswein bezeichnet man einen Wein, der durch Lagerung an Komplexität gewinnt. Voraussetzungen sind ausreichend Säure, Tannin oder Restzucker als Konservierungsmittel. Große Rieslinge aus dem Rheingau oder der Pfalz können 20–50 Jahre reifen. Rotweine aus lagerfähigen Sorten wie Cabernet Sauvignon entwickeln sich ebenfalls über Jahrzehnte.
lagerungqualität
Auslese
Deutsches Prädikatsweingut: selektiv gelesene, vollreife bis überreife Trauben.
Auslese ist das dritte Prädikat des deutschen Weingesetzes (QmP). Die Trauben werden selektiv von Hand gelesen, wobei unreife oder kranke Beeren aussortiert werden. Mindeststöcke: 83–100 °Oechsle je nach Region und Rebsorte. Ausleseweine sind oft süß bis halbtrocken mit intensiver Frucht. Edelfäulebefall (Botrytis) ist möglich, aber nicht notwendig.
praedikatdeutschland
B
Barrique (225 l)
Kleines Eichenholzfass mit 225 l Volumen aus dem Bordeaux – internationaler Standard für die Weinreifung.
Das Barrique ist ein kleines Eichenholzfass mit standardmäßig 225 Litern Volumen, das aus dem Bordeaux stammt und sich heute weltweit durchgesetzt hat. Durch den intensiven Holzkontakt nimmt der Wein Tannine, Vanillin und Röstnoten auf. Neue Barriques geben mehr Aromen ab als gebrauchte. Die Reifungsdauer beträgt üblicherweise 6–24 Monate. In Deutschland setzen vor allem Spätburgunder-Erzeuger auf Barrique.
Fassgrößen im Vergleich
Barrique
225 L
Bordeaux
Pièce
228 L
Burgund
Puncheon
500 L
Übersee
Demi-Muid
500–600 L
Frankreich
Bota
520 L
Sherry (Spanien)
Pipe / Pipa
534–550 L
Portwein (Portugal)
Fuder
1.000 L
Mosel
Stückfass
1.200 L
Rhein
ausbautechnikfass
Bota (520 l)
Spanisches Sherry-Fass mit ca. 520 l – Kernstück des Solera-Systems in Jerez.
Die Bota (auch "Sherry Butt") ist das traditionelle Reifungsfass für Sherry in Jerez de la Frontera. Mit etwa 520 Litern Volumen wird sie nie ganz gefüllt – das fehlende Sechstel des Volumens ("sobretablas") ist Teil des oxidativen Reifungsprozesses, der Fino, Manzanilla, Amontillado und Oloroso ihren einzigartigen Charakter verleiht. Botas sind aus amerikanischer Eiche gefertigt und werden Jahrhunderte lang weiterverwendet. Whisky-Brennereien zahlen heute Premium-Preise für gebrauchte Bota-Sherry-Fässer.
Fassgrößen im Vergleich
Barrique
225 L
Bordeaux
Pièce
228 L
Burgund
Puncheon
500 L
Übersee
Demi-Muid
500–600 L
Frankreich
Bota
520 L
Sherry (Spanien)
Pipe / Pipa
534–550 L
Portwein (Portugal)
Fuder
1.000 L
Mosel
Stückfass
1.200 L
Rhein
ausbaufasssherry
Beerenauslese
Seltenes Prädikatsweingut aus einzeln gelesenen überreifen oder edelfaulen Beeren.
Beerenauslese (BA) steht für das fünfte Prädikat des deutschen Weingesetzes. Einzeln von Hand gelesene, überreife oder von Edelfäule befallene Beeren ergeben konzentrierte Süßweine mit außergewöhnlicher Tiefe. Mindest-Oechsle: 110–128° je nach Rebsorte. BA-Weine sind Raritäten, da sie nur in wenigen Jahrgängen produziert werden können.
praedikatdeutschlandsuesswein
Biodynamisch
Ganzheitliche Anbaumethode nach Rudolf Steiner, über Bio hinausgehend.
Biodynamischer Weinbau basiert auf der Anthroposophie Rudolf Steiners und geht über ökologischen Landbau hinaus. Anbau nach dem biodynamischen Kalender (Frucht-, Blüten-, Wurzel- und Blättertage), Verwendung von Präparaten aus Pflanzen, Mineralien und Tierteilen sowie Stärkung der Selbstregulierungskräfte des Bodens stehen im Mittelpunkt. Demeter und Biodyvin sind die wichtigsten Zertifizierungsorganisationen.
anbaunachhhaltigkeit
Blanc de Blancs
Weißwein oder Sekt ausschließlich aus weißen Traubensorten (meist Chardonnay).
Blanc de Blancs bedeutet wörtlich "Weißwein aus weißen Trauben". Im Champagner-Kontext bezeichnet es einen Schaumwein, der ausschließlich aus Chardonnay gekeltert wird. Diese Weine sind oft elegant, mineralisch und zitrusbetont, mit guter Lagereignung. Auch in anderen Sektregionen Deutschlands wird der Begriff verwendet.
sektchardonnay
Botrytis
Edelfäule-Pilz, der konzentrierte Süßweine ermöglicht – Basis für TBA und Sauternes.
Botrytis cinerea ist ein Pilz, der unter bestimmten Bedingungen (feuchte Morgen, trockene Nachmittage) als "Edelfäule" auftritt und Trauben auf positive Weise befällt. Der Pilz perforiiert die Beerenhaut, Wasser verdunstet, Zucker und Aromen konzentrieren sich. Ergebnis sind außergewöhnlich reiche Süßweine: Beerenauslese und Trockenbeerenauslese in Deutschland, Sauternes in Frankreich.
pilzsuessweinpraedikat
Bouquet
Komplexes Duftbild eines gereiften Weines aus primären, sekundären und tertiären Aromen.
Bouquet bezeichnet den Duft eines gereiften Weines, der sich aus drei Aromakategorien zusammensetzt: primäre Aromen (rebsortentypisch, z.B. Pfirsich beim Riesling), sekundäre Aromen (aus der Gärung, z.B. Hefe, Butter) und tertiäre Aromen (durch Reifung entstanden, z.B. Petroleum beim Riesling, Leder, Tabak). Ein komplexes Bouquet ist ein Merkmal großer Weine.
verkostungaroma
Brut
Trockenheitsgrad bei Schaumweinen: maximal 12 g/l Restzucker.
Brut ist die gebräuchlichste Dosage-Stufe bei Sekt und Champagner. Sie bezeichnet einen Restzuckergehalt von maximal 12 g/l (in der Praxis oft 6–9 g/l). Darunter liegen Extra Brut (max. 6 g/l) und Brut Nature oder Zero Dosage (0–3 g/l). Brut-Weine wirken trocken, frisch und eignen sich besonders als Aperitif.
sektdosage
Burgunder
Familie von Rebsorten aus dem Burgund – Spätburgunder, Grauburgunder, Weißburgunder.
Burgunder bezeichnet eine Rebsortenfamilie, die ihren Ursprung im französischen Burgund (Bourgogne) hat. In Deutschland sind die bekanntesten Vertreter: Spätburgunder (Pinot Noir, roter Burgunder), Grauburgunder (Pinot Gris), Weißburgunder (Pinot Blanc) und Frühburgunder (Pinot Madeleine). Pfalz, Rheinhessen und Rheingau zählen zu den besten deutschen Burgunder-Lagen.
rebsortedeutschland
C
Cabernet Sauvignon
Bedeutendste Rotweinsorte der Welt, Heimat Bordeaux, Markenzeichen schwarze Johannisbeere.
Cabernet Sauvignon ist die meistangebaute Rotrebsorte weltweit. Typische Aromen: schwarze Johannisbeere, Zedernholz, Graphit, Paprika. Charakteristisch sind kräftige Tannine und hohe Säure, die lange Lagerung ermöglichen. Klassische Herkunftsregionen: Médoc (Bordeaux), Napa Valley, Margaret River (Westaustralien). In Deutschland selten, da die Sorte warme Lagen benötigt.
Weltweite Leitsorte für Weißweine – von Chablis bis Margaret River.
Chardonnay ist die bekannteste Weißweinsorte der Welt. Je nach Klima und Ausbau reicht das Spektrum von knochentrockenen, mineralischen Weinen (Chablis, Blanc de Blancs) bis zu üppig-buttirigen, holzbetonten Styles (Napa Valley, Burgund). In Westaustralien (Margaret River) erzeugt Chardonnay elegante, zitrusfrische Weine mit langer Entwicklung.
Französisches Großfass mit 500–600 l Volumen, beliebt im Süden Frankreichs und im Rhône-Tal.
Der Demi-Muid ("halber Muid", da der Muid historisch ein Doppelvolumen hatte) ist ein französisches Großfass mit 500 bis 600 Litern Volumen. Es ist im südlichen Frankreich (Languedoc, Rhône, Provence) verbreitet und wird zunehmend auch in Deutschland für Spätburgunder und Rieslinge verwendet. Der größere Holzanteil dämpft die Aromen-Übertragung und betont stattdessen langsame Mikro-Oxidation – was komplexe, langlebige Weine ergibt, ohne sie mit Vanille- oder Toast-Noten zu überlagern.
Fassgrößen im Vergleich
Barrique
225 L
Bordeaux
Pièce
228 L
Burgund
Puncheon
500 L
Übersee
Demi-Muid
500–600 L
Frankreich
Bota
520 L
Sherry (Spanien)
Pipe / Pipa
534–550 L
Portwein (Portugal)
Fuder
1.000 L
Mosel
Stückfass
1.200 L
Rhein
ausbaufassfrankreich
Decantieren
Umfüllen von Wein in eine Karaffe zur Belüftung und Trennung vom Depot.
Beim Decantieren wird Wein vorsichtig in eine Karaffe umgefüllt. Dies dient zwei Zwecken: Bei alten Weinen trennt man das Depot (Ablagerungen) vom klaren Wein. Bei jungen Rotweinen beschleunigt Belüftung die Öffnung, weicht Tannine auf und lässt Aromen aufblühen. Tanninreiche Weine wie junge Spätburgunder oder Cabernet profitieren von 30–120 Minuten Decantierzeit.
servicetechnik
Demeter
Biodynamisches Zertifizierungssiegel nach den Richtlinien von Rudolf Steiner.
Demeter ist das weltweit bekannteste Zertifizierungszeichen für biodynamisch erzeugte Produkte. Im Weinbau bedeutet das: Verzicht auf synthetische Pestizide und Herbizide, Anwendung der biodynamischen Präparate (z.B. Hornmist 500, Hornkiesel 501), Anbau nach dem biodynamischen Kalender und minimale Eingriffe im Keller. Demeter-Weine gelten als Inbegriff von Terroir-Ausdruck.
zertifizierungbiodynamisch
Depot
Natürliche Ablagerungen im Wein – Weinstein, Farbstoffe, Proteine.
Als Depot bezeichnet man die natürlichen Ablagerungen, die sich in gereiften Weinen bilden. Dazu gehören Weinsteinkristalle (Kaliumbitartrat), ausgefällte Farbstoffe (bei Rotweinen) sowie Proteinflocken. Depot ist ein Qualitätsmerkmal und zeigt, dass ein Wein nicht zu stark filtriert wurde. Beim Servieren sollte die Flasche vorher stehend gelagert und der Wein decantiert werden.
lagerungservice
E
Eiswein
Aus natürlich gefrorenen Trauben gekeltert – seltene deutsche Spezialität.
Eiswein entsteht, wenn gesunde Trauben am Rebstock gefrieren und bei Temperaturen von mindestens –7 °C gelesen und sofort gepresst werden. Das gefrorene Wasser verbleibt als Eiskristalle, der konzentrierte Saft fließt ab. Ergebnis ist ein extrem dichter, süßer Wein mit hoher Säure und langer Entwicklung. Mindeststöcke: 110–128 °Oechsle. Gute Jahrgänge für Eiswein sind selten.
praedikatdeutschlandsuesswein
Ertrag
Erntemenge pro Hektar – geringere Erträge oft Zeichen höherer Qualität.
Der Ertrag gibt an, wie viele Hektoliter Wein pro Hektar Rebfläche produziert werden. In Deutschland sind für Qualitätswein maximal 105 hl/ha erlaubt, in der Praxis liegt der Ertrag bei guten Weingütern bei 30–60 hl/ha. Geringere Erträge konzentrieren Aromen und Struktur in der einzelnen Beere. VDP-Weingüter halten oft deutlich niedrigere Ertragsgrenzen ein.
anbauqualität
F
Fuder (1.000 l)
Traditionelles Mosel-Großfass mit 1.000 l Volumen – Inbegriff der klassischen Riesling-Reifung.
Das Fuder ist das traditionelle Reifungsfass an Mosel, Saar und Ruwer. Mit 1.000 Litern Volumen bietet es minimalen Holzkontakt pro Wein-Liter – ideal für Riesling, dessen filigrane Frucht und Mineralität nicht von Eichenaromen überlagert werden sollen. Fuder werden meist aus deutscher oder französischer Eiche gebaut und über Jahrzehnte hinweg verwendet, sodass sie kaum noch Aromen abgeben ("neutrales Fuder"). Die Mosel-Großfass-Kultur ist UNESCO-würdig: Domänen wie J.J. Prüm, Egon Müller und Fritz Haag reifen ihre besten Rieslinge ausschließlich im Fuder.
Fassgrößen im Vergleich
Barrique
225 L
Bordeaux
Pièce
228 L
Burgund
Puncheon
500 L
Übersee
Demi-Muid
500–600 L
Frankreich
Bota
520 L
Sherry (Spanien)
Pipe / Pipa
534–550 L
Portwein (Portugal)
Fuder
1.000 L
Mosel
Stückfass
1.200 L
Rhein
ausbaufassmosel
Finesse
Eleganz und Feinheit in einem Wein – das Gegenteil von grob oder massiv.
Finesse ist ein Verkostungsbegriff für Eleganz, Schliff und innere Spannung eines Weines. Ein Wein mit Finesse verbindet Kraft und Leichtigkeit, ohne aufdringlich zu wirken. Typischerweise zeigen kühle Klimaregionen wie Rheingau oder Mosel mehr Finesse als warme Regionen. Das Konzept ist schwer messbar, aber unter erfahrenen Verkostern unmissverständlich.
verkostungqualität
Filtration
Kellereitechnik zur Klärung des Weines durch Entfernung von Trübstoffen.
Bei der Filtration wird Wein durch ein Filter gepresst, um Trübstoffe, Hefen oder Bakterien zu entfernen. Methoden reichen von grober Schichtfiltration bis zur Membranfiltration und Sterilfiltration. Starke Filtration kann Textur und Aromakomplexität reduzieren. Naturwein-Erzeuger verzichten oft ganz auf Filtration, was zu leichter Trübung führen kann.
technikkeller
Frucht
Primäre Aromen von Obst und Beeren im Wein, rebsortentypisch.
Frucht bezeichnet die primären Aromen, die direkt aus der Traube stammen. Jede Rebsorte hat typische Fruchtaromen: Riesling zeigt Apfel, Pfirsich, Zitrus; Spätburgunder Kirsche, Erdbeere, Himbeere; Cabernet Sauvignon schwarze Johannisbeere. Intensive Frucht ist kein Zeichen von Süße – auch trockene Weine können fruchtintensiv sein.
verkostungaroma
G
Gärung
Biochemischer Prozess, bei dem Hefen Zucker in Alkohol und CO₂ umwandeln.
Die alkoholische Gärung ist der Kernprozess der Weinbereitung. Hefen (Saccharomyces cerevisiae oder Wildhefen) bauen Traubenzucker zu Ethanol, CO₂ und Wärme ab. Temperatur, Hefestamm und Sauerstoffkontakt beeinflussen das Ergebnis maßgeblich. Die malolaktische Gärung (Biologischer Säureabbau) wandelt anschließend die harte Apfelsäure in weichere Milchsäure um.
technikkeller
Großes Gewächs
Höchste Qualitätsstufe des VDP für trockene Weine aus klassifizierten Einzellagen.
Das Große Gewächs (GG) ist die Spitzenklassifikation des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) für trockene Weine. Es entspricht der Stufe VDP.Große Lage und wird nur aus den besten, klassifizierten Einzellagen erzeugt. Die Mindestanforderungen umfassen geringe Erträge, handgelegte Lese und keine Chaptalisierung. Das GG wird traditionell ein Jahr nach der Ernte veröffentlicht.
vdpqualitaetdeutschland
Gutsabfüllung
Wein, der ausschließlich aus eigenen Rebflächen des Weinguts stammt.
Gutsabfüllung bedeutet, dass der Wein aus Trauben gekeltert wurde, die ausschließlich auf eigenen Rebflächen des abfüllenden Betriebs gewachsen sind. Der Begriff ist gesetzlich geschützt und garantiert herkunftsbezogene Qualität. Er ist vergleichbar mit dem französischen "Mise en bouteille au Château/Domaine". In Deutschland ist dies ein Qualitätskriterium für Terroir-orientierte Weingüter.
herkunftqualitaetdeutschland
H
Hefe
Mikroorganismus, der Zucker vergärt – Schlüssel zur Weinentstehung.
Hefen sind einzellige Pilze (vor allem Saccharomyces cerevisiae), die Traubenzucker in Alkohol und CO₂ umwandeln. Man unterscheidet Kulturhefen (Reinzuchthefen aus dem Labor) und Wildhefen (natürlich auf Trauben und Keller). Wildhefen ergeben komplexere, oft sortentypischere Weine, sind aber schwerer kontrollierbar. Hefen beeinflussen Aromen, Struktur und Charakter erheblich.
technikgaerung
Hektoliter
Maßeinheit für Weinmengen: 1 hl = 100 Liter = ca. 133 Flaschen.
Hektoliter (hl) ist die gebräuchliche Maßeinheit für Weinmengen in der Weinwirtschaft. 1 Hektoliter entspricht 100 Litern oder circa 133 Standardflaschen à 0,75 l. Ertragsmengen im Weinbau werden in hl/ha angegeben. Deutsche Qualitätsweine dürfen maximal 105 hl/ha erzeugen; VDP-Lagen liegen meist bei 40–60 hl/ha.
masseinheitertrag
J
Jahrgangswein
Wein aus einem einzigen Erntejahr, dessen Charakter das Wetter prägt.
Ein Jahrgangswein (Vintage Wine) stammt zu mindestens 85 % (EU-Norm) aus der auf dem Etikett genannten Ernte. Das Wetter des Jahrgangs prägt Säure, Zucker, Tannin und Aromen maßgeblich. Deutsche Weinjahrgänge variieren stark: Exzellente Jahre (2015, 2017, 2019, 2021) bringen konzentrierte, langlebige Weine; schwierige Jahre erfordern Können im Keller.
jahrgangqualitaet
K
Kabinett
Leichtestes deutsches Prädikat – frisch, elegant, niedrig im Alkohol.
Kabinett ist das erste und leichteste der sechs deutschen Prädikate (QmP). Kabinett-Weine stammen von vollreifen Trauben mit 67–82 °Oechsle. Sie sind typischerweise leicht (oft 7–9 %vol Alkohol), frisch und elegant. Der Riesling Kabinett vom Mosel oder Rheingau gilt als einer der größten Weingenüsse überhaupt – komplex trotz minimaler Schwere. Der Begriff stammt vom "Kabinett" genannten Tresorraum.
praedikatdeutschland
Kalkboden
Kalkhaltiger Untergrund – verleiht Weinen Mineralität und Frische.
Kalkhaltige Böden (Kalk, Ton-Kalkstein, Keuper) sind in vielen großen Weinlagen die Grundlage. Kalk speichert Wasser, reguliert den pH-Wert und gibt Mineralität an den Wein weiter. Berühmte Kalk-Terroirs: Chablis (Kimmeridge-Kalk), Champagne, Sancerre, und Teile der Pfalz und des Rheingaus. Riesling auf Kalk zeigt oft präzise Säure und kühle Mineralität.
terroirboden
Klassifizierung
Offizielle Rangordnung von Lagen, Weingütern oder Weinen nach Qualitätskriterien.
Weinklassifizierungen ordnen Lagen oder Güter nach Qualität. In Deutschland klassifiziert der VDP Lagen nach Gutswein, Ortswein, VDP.Erste Lage und VDP.Große Lage. Im Burgund gilt das hierarchische System Grand Cru > Premier Cru > Village > Regional. Im Bordeaux klassifiziert man historisch Châteaux. In Australien ist Langton's Classification die bekannteste Referenz.
vdpqualitaet
Klima
Langfristige Wetterbedingungen einer Region, entscheidend für Weincharakter.
Das Klima einer Weinregion bestimmt, welche Rebsorten gedeihen und welchen Charakter Weine entwickeln. Unterschieden werden: kontinentales Klima (heiße Sommer, kalte Winter, große Tagestemperaturschwankungen), maritimes Klima (mäßig, feucht, durch Ozeane gepuffert) und mediterranes Klima (warm, trocken, milde Winter). Westaustralien (Margaret River) profitiert von kühlenden Ozeanen; der Rheingau vom Schieferschutz.
terroiranbau
Korken
Natürlicher Verschluss aus Korkrinde – ermöglicht langsame Reifung, birgt TCA-Risiko.
Naturkorken aus der Rinde der Korkeiche (Quercus suber) sind der traditionelle Flaschenverschluss für Qualitätsweine. Ihre Mikroporosität erlaubt minimalen Sauerstoffaustausch und fördert die langsame Reifung. Hauptnachteil: Korkfehler (TCA – 2,4,6-Trichloranisol) kann Weinen einen muffigen, Keller-ähnlichen Geruch verleihen. Alternative: Schraubverschluss, DIAM-Korken.
servicetechnik
L
Lage
Abgegrenzter Weinberg mit spezifischem Terroir – vom Gutswein bis zur Großen Lage.
Eine Weinbergslage (oft auch Einzellage) ist ein klar abgegrenzter Rebflächenbereich mit einheitlichem Terroir aus Boden, Exposition und Mikroklima. In Deutschland unterscheidet man nach VDP: Großlage (irreführend, da keine echte Einzellage), Einzellage und das VDP-Klassifikationssystem (Gutswein, Ortswein, Erste Lage, Große Lage). Berühmte Lagen: Rüdesheimer Berg Schlossberg, Forster Jesuitengarten, Pettentaler.
terroirvdpdeutschland
Lese
Die Ernte der Weintrauben – manuell oder maschinell, je nach Qualitätsanspruch.
Die Weinlese (Vendange/Harvest) ist der Höhepunkt des Weinjahres. Maschinenlese ist effizienter und günstiger; Handlese ermöglicht Selektion und schonendes Ernten. Für Prädikatsweine (Spätlese, Auslese, BA, TBA) ist Handlese gesetzlich vorgeschrieben. Der optimale Lesezeitpunkt ist entscheidend: zu früh ergibt Säureüberschuss, zu spät Alkohol und Aromaarmut.
anbauernte
Lesegut
Das geerntete Traubenmaterial, Basis für die Weinqualität.
Lesegut bezeichnet die geernteten Trauben in ihrer Gesamtheit, bevor sie verarbeitet werden. Qualität, Reifegrad, Gesundheitszustand und Selektion des Lesegutes sind entscheidend für die endgültige Weinqualität. Sorgfältige Winzer selektieren bereits im Weinberg und sortieren am Lesetisch (Sortiertisch) nach. Modernes Lesegut wird oft in kleinen Kisten (20 kg) transportiert, um Maischeoxidation zu vermeiden.
erntequalitaet
M
Maischestandzeit
Kontaktzeit von Traubensaft und Schalen – extrahiert Farbe, Tannin, Aromen.
Bei der Maischestandzeit (Mazerierung) verbleibt der Saft in Kontakt mit den Beerenschalen. Bei Rotweinen extrahiert dies Farbstoffe (Anthocyane), Tannine und Aromen. Die Dauer variiert von wenigen Stunden bis zu mehreren Wochen, je nach gewünschtem Stil. Bei Weißweinen ist kurze Maischestandzeit üblich für mehr Textur. Orangewein entsteht durch lange Mazerisierung weißer Trauben.
Margaret River liegt im Südwesten Westaustraliens und gilt als eine der bedeutendsten Weinregionen der südlichen Hemisphäre. Das maritime Klima (kühle Ozeane von drei Seiten) ermöglicht Riesling-ähnliche Eleganz in warmer Umgebung. Markenzeichen sind weltklasse Cabernet Sauvignon und Chardonnay. Nur 3 % der australischen Weinproduktion kommen von hier, aber ein überproportionaler Anteil der Topweine.
regionaustralien
Mineralität
Salzig-steiniger Geschmack im Wein, oft assoziiert mit Schiefer oder Kalkstein.
Mineralität beschreibt sensorische Eindrücke wie Schiefer, nasse Steine, Salz, Kreide oder Jod. Wissenschaftlich ist der direkte Bodentransfer ins Weinaroma umstritten; die Empfindung entsteht durch Säure, pH, spezifische Verbindungen und Ausbau. Große Rieslinge vom Schiefer (Mosel, Saar) gelten als Inbegriff von Mineralität. Margaret River Chardonnays zeigen oft salzig-mineralische Noten.
verkostungterroir
Most
Ungegärter oder frisch gepresster Traubensaft, Vorstufe des Weines.
Most (Traubenmost) ist der frisch gepresste, ungegärte Traubensaft. Er enthält Zucker, Säure, Wasser, Mineralstoffe, Aromen und Vorstufen von Aromaverbindungen. Das Messinstrument für den Zuckergehalt des Mostes ist das Refraktometer (Oechsle-Skala). Die Mostqualität bestimmt maßgeblich das Weinfinalprodukt.
technikgaerung
N
Naturwein
Wein mit minimalen Eingriffen, Wildhefen, ohne Schönung und oft unfiltriert.
Naturweine entstehen mit minimalen kellertechnischen Eingriffen. Typische Merkmale: Wildhefen statt Kulturhefen, kein zugefügtes SO₂ (oder sehr wenig), keine Schönung, keine Filtration. Naturweine können leicht trüb oder mit komplexen, ungewöhnlichen Aromen sein. Die Bewegung entstand in Frankreich (Loire, Burgund) und hat weltweit viele Winzer beeinflusst. Es gibt keine offizielle Zertifizierung.
philosophietechnik
O
Oechsle
Deutsche Maßeinheit für den Zuckergehalt im Traubenmost.
Die Oechsle-Skala (°Oe) misst die Dichte des Traubenmostes, aus der der Zuckergehalt berechnet wird. Sie wurde im 19. Jahrhundert vom Physiker Christian Ferdinand Oechsle entwickelt. 1 °Oe entspricht 1 g Mehrgewicht pro Liter Most gegenüber reinem Wasser. Die Prädikate des deutschen Weingesetzes (Kabinett bis TBA) definieren Mindestoechsle-Werte.
messeinheitpraedikatdeutschland
Orangewein
Weißwein mit langer Schalenkontaktzeit – tanninreich, oxidativ, bernsteinfarben.
Orangewein (Amber Wine) ist ein Weißwein, der wie ein Rotwein vinifiziert wird: Der Saft verbleibt über Wochen oder Monate in Kontakt mit den Schalen weißer Trauben. Ergebnis ist ein tanninreiches, oft oxidatives Getränk in Bernstein- bis Orangefarbe. Der Stil hat Wurzeln in Georgien (Qvevri-Tradition) und erlebt heute eine weltweite Renaissance.
stiltechnik
Oxidation
Sauerstoffeinfluss auf Wein – kann Fehler erzeugen oder zum Stil werden.
Oxidation tritt auf, wenn Wein zu lange Sauerstoff ausgesetzt wird. Fehlerhafte Oxidation zeigt sich durch Nussaromen, Sherry-Töne und Braunfärbung – unerwünscht in frischen Weinen. Kontrollierte Oxidation hingegen ist bei Sherry (Fino, Amontillado), Madeira und manchen Naturweinen ein gewolltes Stilmerkmal. Antioxidantien wie SO₂ und Füllhöhe schützen vor ungewollter Oxidation.
fehlerstiltechnik
P
Pièce (228 l)
Burgundisches Eichenfass mit 228 l Volumen – das Standardfass im Burgund, fast identisch mit dem Barrique.
Die Pièce ist das burgundische Pendant zum Bordelaiser Barrique. Mit 228 Litern Volumen ist sie nur drei Liter größer und dient seit Jahrhunderten als Standardfass für Pinot Noir und Chardonnay im Burgund. Top-Domänen wie Romanée-Conti, Leflaive oder Coche-Dury reifen ihre Weine ausschließlich in Pièces. Anders als das international standardisierte Barrique gibt es Pièces traditionell von verschiedenen Burgundisch-französischen Küfern (Tonneliers), deren Stil das Aroma prägt – François Frères, Damy, Cadus, Chassin sind die berühmtesten.
Fassgrößen im Vergleich
Barrique
225 L
Bordeaux
Pièce
228 L
Burgund
Puncheon
500 L
Übersee
Demi-Muid
500–600 L
Frankreich
Bota
520 L
Sherry (Spanien)
Pipe / Pipa
534–550 L
Portwein (Portugal)
Fuder
1.000 L
Mosel
Stückfass
1.200 L
Rhein
ausbaufassburgund
Pipe / Pipa (534–550 l)
Portugiesisches Reifungsfass für Portwein mit 534–550 l Volumen.
Die Pipe (auf Portugiesisch "Pipa") ist das traditionelle Reifungsfass für Portwein im Douro-Tal und in den Lodges von Vila Nova de Gaia. Sie fasst 534 bis 550 Liter, abhängig von Region und Hersteller. Vintage-Ports reifen typischerweise nur 2 Jahre in der Pipe vor der Flaschenfüllung, Tawnies hingegen 10, 20, 30 oder 40 Jahre – mit fortschreitender oxidativer Entwicklung zu Karamell-, Nuss- und getrockneten-Frucht-Aromen. Das Schiffsmaß "pipa de embarque" mit 550 Litern war historisch für den Atlantiktransport optimiert.
Fassgrößen im Vergleich
Barrique
225 L
Bordeaux
Pièce
228 L
Burgund
Puncheon
500 L
Übersee
Demi-Muid
500–600 L
Frankreich
Bota
520 L
Sherry (Spanien)
Pipe / Pipa
534–550 L
Portwein (Portugal)
Fuder
1.000 L
Mosel
Stückfass
1.200 L
Rhein
ausbaufassport
Puncheon (500 l)
Großes 500-l-Eichenfass aus der Übersee-Tradition – beliebt bei Naturwein- und kühlen Klimaerzeugern.
Der Puncheon ist ein größeres Eichenfass mit etwa 500 Litern Volumen. Im Vergleich zum Barrique ist das Verhältnis von Holzkontakt zu Weinvolumen geringer – das ergibt subtilere Holzaromen und mehr Frucht-Erhaltung. Puncheons sind bei modernen Erzeugern in Westaustralien (z.B. Margaret River-Chardonnay-Spezialisten), Neuseeland und auch zunehmend bei deutschen Naturwein-Pionieren beliebt – als Alternative zum Barrique, wenn der Erzeuger Zurückhaltung beim Holzeinsatz sucht.
Fassgrößen im Vergleich
Barrique
225 L
Bordeaux
Pièce
228 L
Burgund
Puncheon
500 L
Übersee
Demi-Muid
500–600 L
Frankreich
Bota
520 L
Sherry (Spanien)
Pipe / Pipa
534–550 L
Portwein (Portugal)
Fuder
1.000 L
Mosel
Stückfass
1.200 L
Rhein
ausbaufass
Perlage
Die Blasenbildung im Schaumwein – Feinheit und Persistenz als Qualitätsmerkmal.
Perlage bezeichnet die Kohlensäureblasen im Schaumwein. Feine, anhaltende Perlage mit kleinen Bläschen gilt als Qualitätsmerkmal: Sie entsteht bei langer Reifung auf der Hefe (Méthode Champenoise). Grobe, schnell aufsteigende Blasen entstehen bei günstigeren Herstellungsverfahren (Cuve close). Die Persistenz der Perlage wird in Minuten gemessen.
sektqualitaet
pH-Wert
Maß für die Acidität: typisch 3,0–3,8 im Wein, beeinflusst Frische und Haltbarkeit.
Der pH-Wert misst die Konzentration freier Wasserstoffionen – also die Stärke, nicht die Menge der Säure (Titrationsacidität). Weinige pH-Werte liegen zwischen 2,8 (sehr sauer) und 4,0 (flach). Niedrige pH-Werte fördern mikrobiologische Stabilität und frische Wirkung. Der Säureabbau (BSA) erhöht den pH. Riesling hat oft niedrigere pH-Werte (3,1–3,4) als schwere Rotweine (3,5–3,8).
chemiestruktur
Pinot Noir
Die "Diva" unter den Rotsorten – empfindlich, komplex, unverkennbar. Dt: Spätburgunder.
Pinot Noir (Spätburgunder) ist eine der anspruchsvollsten Rebsorten der Welt. Sie reagiert extrem empfindlich auf Terroir und Klima. Aromen: Kirsche, Erdbeere, Himbeere, Veilchen, Gewürze; mit Reife: Leder, Pilze, Trüffel. Klassische Heimat: Burgund (Côte de Nuits). In Deutschland sind Pfalz, Ahr und Baden führend. In Westaustralien zeigen Pinot Noir aus kühleren Lagen große Eleganz.
Deutsches Weingesetz: sechs Reifegrade von Kabinett bis Trockenbeerenauslese.
Prädikate (Qualitätswein mit Prädikat, QmP) sind die höchste Qualitätsstufe im deutschen Weingesetz und bezeichnen sechs Reifestufen in aufsteigender Ordnung: Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Eiswein, Trockenbeerenauslese. Jede Stufe definiert Mindest-Oechsle-Werte. Chaptalisierung (Zuckerzugabe) ist bei Prädikatweinen verboten.
qualitaetdeutschlandgesetz
R
Restzucker
Im fertigen Wein verbliebener Zucker nach der Gärung – bestimmt Süße.
Restzucker (RZ) ist der nach der Gärung im Wein verbleibende Zucker, ausgedrückt in g/l. Trockene Weine enthalten unter 9 g/l (oft unter 4 g/l), halbtrocken 9–18 g/l, halbsüß 18–45 g/l, süß über 45 g/l. Wichtig: die wahrgenommene Süße wird durch die Säure beeinflusst – hohe Säure lässt viel Restzucker "trocken" wirken (klassischer Mosel-Riesling).
chemiestruktur
Rheingau
Prestigiöse Weinregion am Rhein – Heimat des klassischen Rieslings und großer Güter.
Der Rheingau ist eine der traditionsreichsten Weinregionen Deutschlands, nördlich von Wiesbaden und Rüdesheim. Die einzigartigen Schieferböden, der nach Süden gerichtete Rheinbogen und das mäßige Klima schaffen ideale Bedingungen für Riesling und Spätburgunder. Bekannte Güter: Schloss Johannisberg, Kloster Eberbach, Weingut Robert Weil. VDP-Lagen: Rüdesheimer Berg Schlossberg, Marcobrunn.
regiondeutschland
Rheinhessen
Deutschlands größtes Weinanbaugebiet – vielfältig, innovativ, stark im Wachstum.
Rheinhessen, begrenzt vom Rhein im Osten und Norden, ist mit 26.800 ha das größte Weinanbaugebiet Deutschlands. Früher bekannt für Massenware (Liebfrauenmilch), erlebt die Region seit den 2000ern eine Qualitätsrevolution. Heute führende Region für Silvaner, innovative Rieslinge und Spätburgunder. Wichtige Unterregionen: Roter Hang, Wonnegau. VDP-Lagen: Pettentaler, Aulerde.
regiondeutschland
Riesling
Deutschlands große Weißsorte – Terroir-Spiegel, langlebig, unverwechselbar.
Riesling ist die bedeutendste Rebsorte Deutschlands und einer der noblesten Weißweine der Welt. Typische Aromen: Apfel, Pfirsich, Zitrus, Jasmin, Petroleum (bei Reife). Herausragendes Merkmal: die Fähigkeit, Terroir-Unterschiede präzise widerzuspiegeln. Riesling reift Jahrzehnte und gewinnt an Komplexität. Klassisch: Mosel (Schiefer), Rheingau, Pfalz (Kalk/Basalt). Auch in Australien wachsend.
Wein aus gemeinsamer Vergärung von roten und weißen Trauben.
Ein Rotling (nicht zu verwechseln mit Rosé) entsteht durch gemeinsame Vergärung von roten und weißen Trauben. Der bekannteste Rotling ist der Schillerwein aus Württemberg. Im Gegensatz zum Rosé, der durch kurze Mazeration roter Trauben entsteht, ist beim Rotling die Mischung der Sorten der entscheidende Aspekt. Rotlinge sind in Deutschland eine Spezialität bestimmter Regionen.
stildeutschland
S
Stückfass (1.200 l)
Klassisches Großfass an Rhein und Main mit 1.200 l Volumen – traditionelles Reifungsgefäß für Rheingau-Riesling.
Das Stückfass ist mit 1.200 Litern das größte traditionelle Reifungsfass im deutschen Weinbau und der Standard an Rhein, Main und Rheingau. Wie das Mosel-Fuder dient es der nahezu neutralen Reifung von Riesling – Holz-Aromen werden bei diesem Volumen-Holz-Verhältnis kaum übertragen, dafür entwickelt sich der Wein durch langsame Mikro-Oxidation und Hefe-Kontakt zu großer Komplexität. Spitzendomänen wie Schloss Johannisberg, Robert Weil und Künstler verwenden Stückfässer für ihre Top-Rieslinge. Halbstückfässer (600 l) sind eine kleinere Variante.
Sauvignon Blanc ist eine aromatische Weißweinsorte mit unverwechselbarem Profil: Stachelbeere, Brennnessel, frisch gemähtes Gras, Zitrus bis Grapefruit und Rauchwürze. Herkunftsklassiker: Sancerre und Pouilly-Fumé (Loire), Marlborough (Neuseeland). In Westaustralien (Margaret River) werden elegante, weniger aufdringliche Stile erzeugt. Oft mit Sémillon verschnitten.
Schiefergestein als Weinbergsboden – speichert Wärme, verleiht Mineralität.
Schiefer ist ein metamorphes Gestein, das in vielen klassischen Weinlagen vorkommt. Seine Fähigkeit, Sonnenwärme tagsüber zu speichern und nachts abzugeben, ist für Weinbau in kühlen Regionen entscheidend. Schiefer-Weine zeigen oft schiefrige, rauchige Mineralität. Berühmte Schieferlagen: Mosel, Saar, Nahe, Rüdesheim (Rheingau). Blauschiefer, Grauschiefer und Rotschiefer unterscheiden sich im Mineralgehalt.
terroirboden
Sekt
Deutscher Qualitätsschaumwein – mit oder ohne Herkunftsbezeichnung.
Sekt ist der deutsche Begriff für Qualitätsschaumwein mit mindestens 3,5 bar Kohlensäuredruck. Zwei Hauptkategorien: Cuvée-Sekt (aus Grundweinen verschiedener Regionen) und Winzersekt oder Crémant-ähnlicher Sekt mit geschützten Herkunftsbezeichnungen. Hochwertige deutsche Sektkellereien (Henkell, Rotkäppchen) und kleine Winzer produzieren nach der Méthode Champenoise (Flaschengärung).
schaumweindeutschland
Silvaner
Traditionelle deutsche Weißsorte – neutral-würzig, terroir-sensitiv, in Rheinhessen stark.
Silvaner ist eine der ältesten deutschen Rebsorten und vor allem in Franken und Rheinhessen verbreitet. Stil: dezente Würze, grüne Kräuter, Quitte, neutrale Sauberkeit. Silvaner ist weniger aromatisch als Riesling, zeigt dafür große Lagentreue und Terroirsensitivität. Auf tiefgründigen Lössboden (Rheinhessen) entstehen strukturreiche, langlebige Weine. Große Lagen: Würzburger Stein, Niersteiner Oelberg.
Schwefeldioxid – universelles Schutzmittel im Wein gegen Oxidation und Bakterien.
Schwefeldioxid (SO₂) ist das meistverwendete Schutzmittel im Weinbau und Keller. Es wirkt antioxidativ und antimikrobiell und verhindert vorzeitige Oxidation sowie Fehlaromen. In der EU existieren Höchstwerte je nach Weintyp (z.B. 150 mg/l für trockene Rotweine, 200 mg/l für trockene Weißweine). Naturwein-Produzenten setzen auf Null-Sulfite oder sehr geringe Mengen.
chemietechniknaturwein
Spätburgunder
Deutschlands wichtigste Rotweinsorte – komplex, elegant, weltklasse in der Pfalz.
Spätburgunder (Pinot Noir) ist die bedeutendste rote Rebsorte Deutschlands. In Pfalz, Baden und Ahr werden Weine von internationaler Spitzenqualität erzeugt. Aromen: reife Kirsche, Waldhimbeere, Nelke, Tabak und – mit Reife – Leder und Pilze. Die Herausforderung: Spätburgunder verlangt kühle Lagen für Finesse, reagiert empfindlich auf Ausbau. Deutsche Spätburgunder konkurrieren heute mit Burgund.
Spätlese ist das zweite Prädikat (QmP) des deutschen Weingesetzes. Trauben werden mindestens eine Woche nach dem regulären Lesebeginn geerntet, bei 76–90 °Oechsle. Spätleseweine können trocken bis süßlich ausgebaut werden. Klassisch sind Riesling Spätlesen mit ihrer Balance aus Reife, Süße und animierender Säure. Auch trockene Spätlesen (Großes Gewächs-Vorstufe) sind typisch für Pfalz und Rheingau.
praedikatdeutschland
T
Tannin
Polyphenolische Verbindungen aus Schalen, Kernen, Stielen – geben Struktur und Bitterkeit.
Tannine sind Polyphenole, die vor allem aus den Beerenschalen, Kernen und Stielen der Trauben sowie aus Holzfässern in den Wein gelangen. Sie erzeugen das adstringierende (zusammenziehende) Mundgefühl. Tannine sind essenziell für die Struktur und Lagerfähigkeit von Rotweinen. Mit der Zeit polymerisieren Tannine und werden weicher (reife Tannine). Weißweine enthalten kaum Tannin.
chemiestruktur
Terroir
Gesamtheit aus Boden, Klima, Topographie und Menschenhand einer Weinlage.
Terroir bezeichnet die Gesamtheit aller natürlichen Faktoren, die einen Weinberg prägen: Boden (Mineralien, Struktur, Drainage), Klima (Temperatur, Niederschlag, Wind), Topographie (Exposition, Hangneigung, Meereshöhe) sowie die menschliche Vinifikation. Das französische Konzept hat sich weltweit durchgesetzt. Terroir erklärt, warum der gleiche Winzer mit gleicher Sorte aus zwei benachbarten Lagen grundlegend unterschiedliche Weine erzeugt.
philosophieanbau
Trocken
Weingeschmacksangabe: max. 9 g/l Restzucker oder Säure und Zucker im Gleichgewicht.
"Trocken" ist die deutsche Geschmacksangabe für trockene Weine. Gesetzlich gilt ein Wein als trocken, wenn er max. 9 g/l Restzucker enthält, oder max. 12 g/l, wenn der Gesamtsäuregehalt höchstens 2 g/l unter dem Restzucker liegt (z.B. 11 g/l RS bei 10 g/l Säure ist erlaubt). Trockene Weine haben in den letzten 30 Jahren in Deutschland stark an Bedeutung gewonnen.
Trockenbeerenauslese (TBA) ist das sechste und höchste Prädikat des deutschen Weingesetzes. Aus fast trockenen, eingeschrumpften Edelfäule-Beeren werden Weine von extremer Konzentration und Süße (oft über 500 g/l Restzucker) erzeugt. Mindestoechsle: 150–154°. Die Ernte ist extrem arbeitsintensiv (beeren-weise), die Mengen minimal. TBA-Weine sind international begehrte Raritäten.
praedikatsuessweindeutschland
Typizität
Wie deutlich ein Wein die Eigenschaften seiner Sorte oder Herkunft zeigt.
Typizität bezeichnet den Grad, in dem ein Wein die charakteristischen Merkmale seiner Rebsorte, Region oder Herkunft ausdrückt. Ein typischer Riesling zeigt Apfel, Zitrus und Petroleum; ein typischer Spätburgunder Kirsche und Erdnote. Hohe Typizität gilt als Qualitätsmerkmal bei Gütern, die Terroir-Ausdruck priorisieren. "Internationaler Stil" bezeichnet oft typizitätsärmere, auf Massengeschmack getrimmte Weine.
verkostungqualitaet
U
Umami
Der fünfte Geschmackssinn – "herzhaft-würzig", im Wein durch Hefeextrakt und Alter.
Umami (japanisch: "köstlich-herzhaft") ist einer der fünf Grundgeschmäcker. Im Wein entsteht Umami-Eindruck durch Glutamate, Aminosäuren aus der Hefelyse (Hefekontakt beim Ausbau) und durch Reife. Champagner und Crémant mit langer Hefelagerung zeigen ausgeprägte Umami-Charakteristika. Auch alte Rotweine entwickeln eine herzhafte Tiefe, die über Frucht und Tannin hinausgeht.
verkostungsensorik
V
VDP
Verband Deutscher Prädikatsweingüter – Vereinigung der ca. 200 besten deutschen Güter.
Der VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) ist der renommierteste Qualitätsverband im deutschen Weinbau. Gegründet 1910, umfasst er heute ca. 200 Mitglieder aus allen großen Anbauregionen. Der VDP hat ein eigenes Klassifikationssystem (Gutswein, Ortswein, Erste Lage, Große Lage) eingeführt, das dem burgundischen Modell ähnelt. Das Qualitätsniveau der Mitglieder ist – mit Ausnahmen – überdurchschnittlich.
verbandqualitaetdeutschland
VDP.Erste Lage
Zweithöchste VDP-Lagenklasse – vergleichbar mit Burgunds Premier Cru.
VDP.Erste Lage bezeichnet die zweite Stufe im VDP-Klassifikationssystem. Diese klassifizierten Einzellagen zeichnen sich durch besondere klimatische und pedologische Eigenschaften aus, die qualitativ über dem Ortswein liegen, aber knapp unterhalb der Großen Lage. Trockene Erste-Lage-Weine dürfen das Prädikat Spätlese tragen. Erste Lage entspricht konzeptionell dem Premier Cru in Burgund.
vdpklassifizierungdeutschland
VDP.Große Lage
Höchste VDP-Lagenklasse – entspricht Grand Cru in Burgund, nur trocken (GG) oder edelsüß.
VDP.Große Lage ist die höchste Lagenkategorie im VDP-System. Diese Lagen sind historisch anerkannt und zeigen außergewöhnliche Qualitätspotenziale. Trockene Weine daraus heißen Großes Gewächs (GG), edelsüße behalten ihre Prädikatsbezeichnung. VDP.Große Lage entspricht dem Grand Cru in Burgund. Bekannte Große Lagen: Forster Jesuitengarten (Pfalz), Rüdesheimer Berg Rottland (Rheingau), Niersteiner Pettenthal (Rheinhessen).
vdpklassifizierungdeutschland
Versäuerung
Nachträgliche Zugabe von Weinsäure für mehr Frische – in warmen Regionen üblich.
Versäuerung ist die legale Zugabe von Weinsäure (L-Weinsäure) zu Wein oder Most zur Erhöhung der Acidität. In warmen Jahrgängen oder heißen Regionen (z.B. Teile Westaustraliens) kann die natürliche Säure zu niedrig sein. Versäuerung und Anreicherung (Chaptalisierung) dürfen in Deutschland nicht gleichzeitig erfolgen. Gegenteil: Säureabbau durch biologischen Säureabbau (BSA).
technikkeller
Vinifikation
Die gesamte Weinbereitung vom Most bis zur fertigen Flasche.
Vinifikation umfasst alle kellertechnischen Schritte von der Traubenannahme bis zum Abfüllen: Lese, Entrappung, Maischen, Pressen, Klärung des Mostes, Gärung, Ausbau (Fass, Tank, Betonstube), Schönung, Filtration und Abfüllung. Jede Entscheidung (Wildhefen vs. Kulturhefen, Barrique vs. Stahltank, Filtration vs. ungeklärt) prägt den Weincharakter maßgeblich.
technikkeller
Vintage
Englisch für Jahrgang – auch für herausragende Einzeljahrgangs-Portweine.
Vintage bezeichnet im Englischen das Erntejahr eines Weines (Jahrgang). Im Port-Kontext meint Vintage Port einen hochklassigen, lagerfähigen Portwein aus einem außergewöhnlichen Jahrgang, der im Fass gelagert und dann in der Flasche jahrzehntelang reifen kann. Nur in Spitzenjahren wird ein Vintage Port offiziell deklariert (declared vintage). Klassische Häuser: Taylor's, Graham's, Quinta do Noval.
jahrgangport
W
Weinberg
Rebfläche mit Reben – Herzstück jedes Weinguts.
Der Weinberg ist die Rebfläche, auf der Weintrauben angebaut werden. Er ist durch Lage, Exposition (Südlage ideal), Hangneigung, Boden, Bepflanzungsdichte und Reberziehungssystem definiert. In Deutschland sind Steillagen (ab 30% Hangneigung) besonders traditionsreich, aber arbeitsintensiv. Die Pflege eines Weinbergs umfasst: Rebschnitt, Bodenpflege, Pflanzenschutz und Grünschnitt.
anbauterroir
Weingesetz
Regelwerk für Produktion, Bezeichnung und Qualitätsstufen von Wein.
Das Weingesetz regelt die Produktion, Bezeichnung und Qualitätskategorien von Wein. In Deutschland unterscheidet es: Tafelwein, Landwein, Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete (QbA) und Qualitätswein mit Prädikat (QmP). EU-weit gilt die Verordnung 1308/2013. Herkunftsbezeichnungen (Lage, Ort, Region) unterliegen strengen Regeln. Deutschland reformierte sein Weinrecht 2021 grundlegend.
gesetzqualitaetdeutschland
Weingut
Betrieb, der Trauben anbaut und daraus Wein erzeugt – vom Kleinerzeuger bis zum Château.
Ein Weingut (Domaine, Château, Estate) bezeichnet einen Weinbaubetrieb, der die gesamte Wertschöpfungskette vom Weinberg bis zum abgefüllten Wein selbst kontrolliert. In Deutschland sind Gutsabfüllung (nur eigene Trauben) und Erzeugerabfüllung gesetzlich unterschieden. Kleine Familienweingüter dominieren die Szene; besonders im Rheingau und der Pfalz gibt es historische Güter mit jahrhundertealter Tradition.
betriebdeutschland
Weinsäure
Dominante Säure der Weintraube – stabil, gibt Frische und Struktur.
Weinsäure (L-Tartarsäure) ist die wichtigste und stabilste Säure in Weintrauben. Im Gegensatz zur Äpfelsäure wird sie nicht durch biologischen Säureabbau abgebaut. Weinsäure gibt dem Wein Frische, Struktur und Haltbarkeit. Bei kühlen Temperaturen fällt Weinsäure als Kaliumbitartrat aus (Weinsteinkristalle) – harmlos, aber manchmal irritierend für Verbraucher.
chemiestruktur
Weißwein
Wein aus weißen oder roten Trauben ohne Schalenkontakt – klar bis goldgelb.
Weißwein wird aus weißen Trauben oder – ohne Schalenkontakt – aus roten Trauben (z.B. Blanc de Noirs) erzeugt. Typische Aromen: Zitrusfrüchte, Steinobst, Blüten, Mineralien. Weißweine werden meist bei 10–14 °C serviert. In Deutschland dominieren Riesling, Grauburgunder, Silvaner und Weißburgunder. Westaustralien ist führend mit Chardonnay und Sauvignon Blanc.